1998 feierte Murau das 700-jährige Bestehen seiner Stadt, welche knapp vor 1300 durch Ulrich v. Liechtenstein gegründet und in den Archivalien als "Murove" bezeichnet wurde. Als erste steirische Stadt ist Murau von Anbeginn an beiden Flussufern befestigt. Die schon 1366 errichtete Stadtmauer weist sieben Tore auf, von denen heute noch zwei erhalten sind. Eines davon, das sog. Friesachertor dient heute der Bürgergarde als Quartier und Arsenal. Selbstverständlich verfügte die Stadt schon im Hochmittelalter über eine bewaffnete Schutztruppe, doch finden wir erste Hinweise erst 1616 und 1619. Zu Beginn des 17. Jh., als die Herrschaft an das Haus Schwarzenberg überging, haben wir die sichere Nachricht, dass über 90 wehrfähige Männer in der Stadt waren. Abgesehen von Wachdiensten war es vor allem der Schutz von kirchlichen Prozessionen, den die Garde in überaus repräsentativer Form übernahm.

1716 und 1718 gibt es urkundliche Hinweise auf eine Bürgermiliz und Stadtgarde. Vor allem Rechnungen für die 80 - 100 Mann starke Garde belegen, dass für Bewaffnung, Bier und Brot für die als "Schützen" bezeichneten Korporäle, einfache Schützen, Piketiere, Trommler und Pfeifer ein beträchtlicher Aufwand nötig war. Ihr heutiges, biedermeierliches Erscheinungsbild stammt aus der Zeit um 1810 bis 1830.

Die Stärke der Bürgerwehr war beträchtlich : Unter dem Kommando von Hauptmann Punschart waren 3 Offiziere, 1 Ober‑ und 8 Unterführer, 11 Bandisten und 75 Garden, die aus allen Schichten der Bevölkerung stammten, aktiv.

1848 ist die Murauer Garde in die Nationalgarde übergegangen.

Die Wiedergründung als Verein 1929 ‑ 1939 und. 1952 ‑ heute.

1929 wurde vom damaligen Stadtamtsdirektor Hauptmann a.D. Friedrich Zelburg anlässlich eines großen Festes eine Garde mit 20‑30 Mann entsprechend dem Vorbild einer Uniform, die im örtlichen Museum aufbewahrt war, eingekleidet. 1931 wurde der Verein und damit die Murauer Bürgergarde wiedergegründet, welche jedoch im März 1939 ‑ wie alle Vereine ‑aufgelöst werden musste.

Aber die Väter dieser historischen Formation dachten nie daran, die Garde aufzugeben, und so erfolgte 1951/52die Wiedergründung nach dem 2. Weltkrieg.

Den Aktivitäten von Mag. Ernst Gasteiger ist es zu verdanken, dass die neue Gardefahne von Prinzessin Lori Schwarzenberg als Fahnenpatin übergeben wurde und auch der Samson eine barocke Riesenfigur, 1746 in Murau nachgewiesen ‑ trat wieder in Erscheinung. Der Samson, über 5 in hoch, getragen von Franz Schleifer, zieht tanzend mit der Garde jährlich am 15. August ‑ begleitet von donnernden Salutschüssen ‑ durch die Stadt.

Nach dem Tod von Mag. Gasteiger führte Ing. Strasser die Garde 17 Jahre lang durch alle Höhen und Tiefen. 1987‑nach einem Jahr der "Pause" übernahm Arch. BM.Ing. Rudi Paschek die Geschicke der Garde und konnte in einigen Jahren einen Stamm von über 60 Aktiven mobilisieren. Die 1955 von den Besatzern zurückgelassenen alten russische Karabiner der Garde und die zu Ende gehende Spezialmunition veranlassten den Obmann, 1987 in einem Schreiben an Michail Gorbatschow um Nachrüstung anzusuchen. Nach langwierigen Verhandlungen brachte diese erfolgreiche Aktivität ein neues Verständnis zur Geschichte und zur Gegenwart. 1990 marschierte die Garde in voller Uniform mit den Karabinern am Roten Platz in Moskau auf und unterzeichnete einen Vertrag über 50.000 Schuss Salutmunition, die 1991 geliefert wurde. Große Gardeereignisse standen ins Haus. Ausrückungen zum Begräbnis von Kaiserin Zita, dem 80. Geburtstag von Otto von Habsburg, dem Besuch bei Dr. Alois Mock in der Hofburg, der für seine Verdienste um die Munitionsbeschaffung zum Ehrenmitglied ernannt wurde, und dem Besuch der Schweizergarde im Vatikan mit privater Papstaudienz folgten ebenso, wie die traditionellen Fronleichnamsumzüge in Murau und St. Egidi. Der letzte Kapuziner von Murau Pater Gallus ‑ er starb 1989 ‑ war mit großer Begeisterung Gardepfarrer ‑ ihm folgte 1993 Kaplan Dr. Markus Plöbst.

1995 besuchte die Murauer Bürgergarde die letzten Mitglieder der Britischen Militärregierung der Steiermark in London und nahm an einer Nachstellung der Schlacht von Waterloo teil. In einem persönlichen Zusammentreffen mit dem ehem. Präsidenten der UdSSR Michail Gorbatschow wurde diesem das Goldenen Ehrenzeichen in Wien bei einem Empfang des Bundespräsidenten von der Garde überreicht. 

1996 erfolgte eine gemeinsame Feier mit der kroatischen Marine aus Anlass der 130-sten Wiederkehr der Schlacht von Lissa zu Ehren von Conteradmiral Tegetthoff auf der Insel Lissa statt.

1998 fand in Murau - Anlass war die 700-ste Wiederkehr der Stadterhebung von Murau - ein großes intern. Treffen historischer Garden und Schützenverbände statt. Über 1300 Schützen und Gardisten aus Mitteleuropa nahmen an diesem einmaligen Ereignis teil. Bei diesem Fest erhielt die Murauer Bürgergarde von ihrer Fahnenpatin Fürstin Therese Schwarzenberg die neue Gardefahne. Der auf Lebzeiten ernannten Gardepfarrer Dr. Markus Plöbst wurde zu einer Amtseinführung in Bad Aussee geehrt.

Die in der Steiermark einmalige historische Bürgergarde der Stadt Murau hat über 70 aktive Gardisten und mehreren Marketenderinnen, die aus allen Bevölkerungs‑ und Berufsgruppen rekrutieren. Die Garde, von Major Rudi Steinacher verbandsmäßig hervorragend gerührt, ist wahrlich eine prächtige, der Geschichte und Tradition verpflichtete österreichische Formation.

Anmerkung: 
Um die Erforschung der Geschichte der Murauer Bürgergarde, die in Buchform erscheint, haben sich Frau Dr. Natalie Frieß und Mag. Erhard Maroschek besondere Verdienste erworben.

Der Riese Samson

Im Pfarramt Tamsweg liegt eine Rechnung auf, wonach den Murauern 1746 (48) ein Samson um 28 fl verkauft wurde. Hat der Bau des Klosters den Kapuziners soviel gekostet, dass dieser verkauft wurde? Diese Rechnung belegt das Samsonwesen im Murau. Ehemaligen Geschichtsschreibern zufolge, soll diese Riesenfigur ein Überbleibsel slawischer Mythologie sein. Die Slawen verehrten nämlich einen großen Gott, der imstande war, die Natur im Frühling zu erwecken. Die Feier zu seinen Ehren wurde später von den Bajuwaren als Volksbelustigung übernommen. Der Kinnbackenknochen eines Esels, mit dem der Riese, wie es im Buch der Richter geschrieben steht, viele Philister erschlagen hatte, führte in der Folge zu einer Verchristlichung der Figur. Deshalb zögerten auch die Kapuziner des Tamsweger Klosters nicht, den Samson in die Fronleichnamsprozession aufzunehmen.

Im Jahr 1784 verbot jedoch das erzbischöfliche Konsistorium das Mittragen der Figur. Die Bevölkerung umging dieses Verbot aber geschickt. Sie trug den Riesen zwar ab sofort nicht mehr bei den Prozessionen, dafür aber am Nachmittag des Fronleichnams- oder Prangtages oder bei anderen besonderen Anlässen mit festlicher Musikbegleitung durch den Ort.

1968 wurde vom damaligen Obmann der Murauer Bürgergarde Mag. Ernst Gasteiger der Riese Samson wieder eingeführt. Der Samson- Riese wiegt etwas 85 kg und ist 5,5,m hoch. Er wird von einem Mann getragen, der begleitet von den Salven der Murauer Bürgergarde am 15. August durch Murau tanzt.

In der Steiermark gibt es noch einen weiteren Umgangsriesen - auch im Bezirk Murau - in Krakaudorf. Am Oswaldi Sonntag, zieht er begleitet von den Krakaudorfer Schützen durch die Ortschaft. Im benachbarten Lungau besitzen neben Muhr auch die Lungauer Gemeinden Tamsweg, St.Andrä, St. Michael, Unternberg, Ramingstein, Wölting, Mariapfarr und Mauterndorf ihren eigenen Riesen.

Der Köper des Murauer Ur-Samsons ist aus dem Jahr 1949. Dieser wurde 2005 vollkommen renoviert und als Samson 2 in Murau auf der Murtalbahn fahrend den Gästen und der Bevölkerung vorgestellt. Aus diesem, vor einigen Jahren gefundenen Holzkörper des Ur-Samsons aus Ramingstein (der Kopf dieses Riesen wurde 1966 für den Murauer Samson verwendet) haben Mitglieder der Murauer Bürgergarde diesen 2. Riesen gebaut bzw. renoviert. Die erste Ausrückung, des als Gardisten gekleideten Samsons (mit Schwert und Eselskinnbacken) , erfolgte am 14.8.05 - stehend auf der Murtalbahn mit einem historischen Güter und Personenzug von Dr. Markus Sträßle.

Bertl Kampusch und Karl Schenk haben sich um die Renovierung besondere Verdienster erworben.

Murau August 2005.
Kommandantur der Murauer Bürgergarde 
A-8850 Murau 
Gustav‑Baltzer‑Straße 5. 
Tel: 035332 / 2990        
Fax 03532 / 299012
Mobil: 0664 / 4133709       

Homepage: www.buergergarde-murau.at

Obmann Hptm. R. Paschek          e-mail: obmann@buergergarde-murau.at
Kommandant Mjr. R. Steinacher   e-mail: kommandant@buergerarde-murau.at

Reisen mit dem Samson:

  • 2006 Steenvoorde in Nordostfrankreich - Riesentreffen mit Riesen aus Europa, Nord- und Südamerika bzw. Afrika.
  • 2006 Eisenstadt
  • 2008 Wien - Steirerball Austria Center
  • 2009 Graz -Bauernbundball im Messecenter
  • 2016  Polen